Über die Rasse

SCHWARZER TERRIER

(Tchiorny Terrier)

URSPRUNG: Russland.
Nach dem Ende der Revolution und des Bürgerkriegs hatte sich der Bestand an Diensthunden in der damaligen UdSSR erheblich verringert. Der Bedarf jedoch wuchs, wobei die Hunde sowohl für zivile als auch militärische Zwecke benötigt wurden. Daher wurde 1924 die Zentrale Armeeschule der Kynologen gegründet. Das größte Zentrum dieses Schulsystems war der „Krasnaya Zvezka" Zwinger („Roter Stern").
Diese erhielt die Regierungsanweisung, einen Bestand an Wachhunden vorzubereiten, die unter den verschiedensten klimatischen Bedingungen einsetzbar wären.
Nach dem zweiten Weltkrieg brachten die Soldaten Riesenschnauzer und Rottweiler als Beutegut mit und hier kommen wir nah an den Ausgangspunkt des Schwarzen (Russischen) Terriers.
In den frühen 50ern wurde einer Gruppe von Armeekynologen unter der Führung von Oberst Medvedev der Auftrag gegeben, einen neuen Arbeitshund als „Super-Manstopper" zu züchten.
Mit diesem Ziel wurden aus deutschen Zuchten der besetzten Gebiete die verschiedenartigsten Hunde, bis dahin in der UdSSR wenig verbreiteter und unbekannter Rassen, ins Land gebracht. Dieses waren Neufundländer, Rottweiler, Riesenschnauzer u.a.. Eine zielgerichtete Züchtung dieser Rassen war jedoch praktisch unmöglich, da es sich meist um Einzelexemplare handelte. Insgesamt war das Ziel, einen großen, anspruchslosen und bösartigen Hund zu züchten.

Die Arbeit begann in der Kreuzung von Hunderassen.
Hierbei stellte sich heraus dass ein Riesenschnauzer -Rüde mit dem Spitznamen "Roy" (heute allgemein anerkannter Stammvater des Schwarzen Terriers) ,bei der Verbindung mit Hündinnen verschiedener Rassen immer große schwarze Hunde mit Behaarung an Kopf und Gliedmaßen hervorbrachte. Unter Beachtung dieser Besonderheit setzte man die Arbeit fort.
Heute ist es praktisch unmöglich , alle Rassen aufzuzählen, deren Blut in die Adern des heutigen Schwarzen Terriers eingeflossen ist.
Zusammengefasst kann man sagen, dass die Schwarzen Terrier  Ihren Ursprung ca. zu 30 % Riesenschnauzer, 30 % Airedale Terrier, 30 % Rottweiler sowie 10% einer Kombination aus Neufundländer, Kaukasischem- und Europäischem Schäferhund sowie Deutscher Dogge verdanken.
Die ersten Schwarzen Terrier wurden nicht nur als Wachhunde in Gefängnissen eingesetzt, sondern auch als Allround Armee- und Polizeihunde. Eingesetzt im fernen Norden als auch im fernen Südrussland, mussten sie sowohl große Adaptions-fähigkeit an die klimatischen Bedingungen, als auch sehr hohe Anforderungen an die „Verfügbarkeit" beweisen.
Warum aber verwendete man ihn nicht weiter in der Armee?
Zuerst benötigt der Schwarze Terrier regelmäßige Pflege und er muß in gewissen Abständen getrimmt werden.
Dies ist nun mal nicht die beste Qualifikation für Armee-Hunde, die in Zwingern leben und von denen minimaler Pflegeaufwand erwartet wird.
Als nächstes wird dieser Hund nur langsam erwachsen, was die Aufzucht und Ausbildung etwas teurer macht. Außerdem benötigt der Schwarze mehr menschlichen Kontakt.

In den Jahren 1955-56 tauchten die ersten Schwarzen Terrier in den Klubs für Diensthundezucht der Städte Moskau , Swerdlowsk und Leningrad auf und man beschäftigte sich hier parallel zum "Roten Stern" mit der Züchtung des Schwarzen Terriers.

Das Ereignis, das die Zukunft des Schwarzen maßgeblich beeinflusst hat war die „All Russian Dog Championship Show" 1957.
Es waren 43 Schwarze Terrier zu sehen, und diese zogen das Interesse privater Hundeliebhaber aus Moskau und St.Petersburg auf sich.
Kurze Zeit später wurde der erste Standart der Rassegruppe Schwarzer Terrier veröffentlicht und man begann sich im ganzen Land mit der Zucht zu beschäftigen. Bei den Klubs standen hierbei Charakter, Psyche und Gebrauchseigenschaften im Vordergrund, während die Armeezwinger das Hauptaugenmerk auf äußere, für Armeehunde erforderliche Rassekennzeichen richtete. Dies bedeutete, dass in der Zucht "Roter Stern"  Kurzhaarhunden mit rauhem Fell, welches keiner besonderen Pflege bedurfte, der Vorzug galt.
Die Hobbyzüchter jedoch beschritten einen anderen Weg, indem sie sich nicht nur für die Gebrauchseigenschaften, sondern auch für die Schönheit ihrer Zöglinge einsetzten. Anfang der 70er Jahre wurde in Leningrad erstmalig ein bis auf wenige Veränderungen bis heute gültiges Trimmschema für den Schwarzen Terrier geschaffen.
Gegen Ende der 70er Jahre registrierte man in der UdSSR bereits mehr als 800 Würfe und die Gesamtzahl der Welpen, die dem Standard entsprachen überschritt die 4000er Marke.  Gleichzeitig gelangte der Schwarze Terrier aus Leningrad und Wyborg nach Finnland und verbreitete sich außergewöhnlich schnell in Europa. Im finnischen kynologischen Journal wurde besonders das argwöhnische Verhalten gegenüber Fremden, Wachsamkeit und dabei aber der ruhige und ausgewogene Charakter dieser Hunde vermerkt. Finnische Kynologen waren es auch, die den Schwarzen Terrier erstmalig als "Perle der sowjetischen Hundezucht" bezeichneten.
Schnell gewann der "Russische Exot" große Popularität in Deutschland, Polen und Ungarn, wo einige Einrichtungen für die Zucht dieser Hunde entstanden, die jetzt nur noch "Schwarzer Russischer  Terrier" genannt wurden.
In den 80er Jahren begann man den Schwarzen Terrier auf großen internationalen Ausstellungen mit Erfolg zu zeigen. Im Jahre 1981 wurde er in der UdSSR als gesonderte selbständige Rasse anerkannt.
Der erste Standard wurde am 13. Mai 1981 bestätigt.
Im Jahre 1984 wurde auf der Internationalen Versammlung in Mexiko die Rasse durch die FCI anerkannt und der Standard durch die Internationale Kynologische Föderation (FCI) unter der Nummer 327 (für Standard bitte hier klicken) bestätigt.
Viele Jahre wurde der Schwarze Terrier als Wach- und Diensthund eingesetzt. Er ist außerordentlich arbeitsfähig und zuverlässig, vereint er doch die besten Eigenschaften seiner Vorfahren in sich: Energie und Beweglichkeit des Riesenschnauzers, Auffassungsgabe und fröhliches Wesen des Airedales, Kraft und Mut des Rottweilers, Selbstbeherrschung und Ausgeglichenheit des Neufundländers. Außerdem gaben die Mischlingsvorfahren an den Schwarzen Terrier ausgezeichnete Gesundheit, Widerstandsfähigkeit und eine erstaunliche Intelligenz weiter.
Der Schwarze, liebevoll auch einfach nur Russe genannt, ist heute weniger Wachhund, obwohl diese Eigenschaft untrennbar mit Ihm verbunden ist, als vielmehr "Hundekumpel" und geliebter Hausgenosse.

Quelle : ISBN 5-87803-07-4 c M. Gerassimova, E.Lemehova, 1996